Hilfe meine Scheibe ist weg!

Jede Sportart hat ihre Schattenseiten. Und beim Disc Golf ist das Verwerfen einer Scheibe sicherlich das Unerfreulichste, was dir passieren kann. In diesem Beitrag lernst du, welche Regeln in einem Turnier gelten, wie du den Verlust einer Scheibe aktiv verhinderst und – falls es doch einmal eng werden sollte – wie du sie am schnellsten wiederfindest. Los geht’s.

Die 3 Minuten Regel

Als wenn der Verlust einer Scheibe an sich nicht schon Strafe genug wäre – es kommt noch dicker:

  • Für das Auffinden deiner Scheibe stehen dir insgesamt drei Minuten zur Verfügung, nachdem du an der Stelle angekommen bist, an der du die Scheibe vermutest. Die Zeit läuft, wenn ein Spieler oder ein Official das Timing beginnt und die Gruppe darüber informiert.
  • Deine Mitspieler sind dazu aufgefordert, dich aktiv bei der Suche nach deiner Scheibe zu unterstützen. Wer sich nicht beteiligt, riskiert eine Verwarnung wegen Verstoßes gegen die Höflichkeitsregeln (801.04 Courtesy).
  • Wird deine Scheibe innerhalb von drei Minuten nicht gefunden, so erhältst du einen Strafwurf! Selbstverständlich wird auch dein vorheriger Wurf gezählt!

Nach dem Verlust deiner Scheibe kannst du entweder von deiner vorherigen Lage, oder – sofern vorhanden – von einer Drop Zone für verlorene Scheiben weiterspielen.

Link: Die genaue Regelausführung findest du hier: PDGA Spielregeln | Abschnitt 805.03 Lost Disc.

Das sind die häufigsten „Scheibenfresser“

Es gibt Bahnen, auf denen das Verwerfen einer Scheibe beinahe einem Kunststück gleicht. Und dann gibt es noch jene Bahnen, auf denen jeder noch so kleine Fehler in einem Desaster enden kann. Bei folgenden Gegebenheiten solltest du die Augen offen halten:

  • Wasser. Die gute Sache an einem Wurf in einen See oder Teich ist, dass du dir über das Suchen keinerlei Gedanken machen musst.
  • Weißdorne. Das sind diese kleinen Bäumchen mit den 5 – 10  Zentimeter langen Stacheln. Diese können so „unbarmherzig“ sein, dass eine Scheibensuche unmöglich ist.
  • Brombeeren. Nicht ganz so „aggressiv“ wie Weißdorne, aber trotzdem schlecht einsehbar und schlecht passierbar – besonders dann, wenn die drei Minuten Uhr tickt.
  • Disteln. Wo eine ist, sind meistens auch gleich mehrere. Und da diese „Biester“ gut und gerne über einen Meter hoch werden, ist die Suche deiner Scheibe alles andere als ein Spaziergang.
  • Brennesseln. Hurra! Warum musstest du ausgerechnet heute wieder eine kurze Hose tragen? 😉
  • Hohes Gras. Auch das solltest du nicht auf die leichte Schulter nehmen! Bereits knöchelhohes Gras kann nur allzu leicht deine Scheibe verschlucken. Besonders problematisch sind große Suchflächen, die zum Beispiel bei langen Drives im offenen Gelände ohne Bezugspunkte entstehen.
  • Bodenlaub. Gerade im Herbst, wenn die Bäume ihre Blätter fallengelassen haben, kann eine dicke und farbenfrohe Laubschicht schnell zum Problem werden.
  • Blindwürfe. Einige Bahnen sind von Haus aus nicht vollständig einsehbar, was sie besonders riskant macht.
  • Unzugängliche Bereiche. Im urbanen Umfeld triffst du nicht selten auf Dächer, hohe Zäune und andere unüberwindbare Hindernisse, die ein Erreichen deiner Scheibe unmöglich machen.

Mit diesen Tipps verhinderst du Scheibenverluste

Einen Disc Golf Parcours zu meistern, der viele der zuvor genannten „Gefahrenquellen“ beinhaltet, stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Der erste und womöglich auch wichtigste Schritt ist es, die Situation richtig einzuschätzen. Wenn du eine Bahn als „riskant“ einstufst, ist ein „bedachtes“ Vorgehen angesagt. Mehr dazu unter: „Finde die perfekte Line“.

Aber auch nach bester Planung und Zurücknahme misslingt so mancher Wurf. 😉  Das merkst du bereits beim Verlassen der Disc aus deiner Hand. Wenn das passiert, solltest du folgendermaßen vorgehen:

  • Wende dich keinesfalls frustriert ab! Behalte deine Scheibe so lange es geht im Auge. Bei Sichtverlust: Versuche dir die weitere Flugbahn deiner Disc vorzustellen.
  • Präge dir einen möglichst markanten Bezugspunkt – wie zum Beispiel einen Baum – ein, an dem du die Scheibe zuletzt gesehen hast.
  • WICHTIG! Behalte diesen Bezugspunkt die ganze Zeit im Auge! Wende dich wenn möglich zu keinem Zeitpunkt ab – auch nicht, wenn du deinen Rucksack aufhebst. Bereits kurze Perspektivwechsel können ausreichen, um den Bezugspunkt zu verlieren.
  • Markiere den Bezugspunkt mit deinem Rucksack. Das hilft dir dabei, im Unterholz nicht die Orientierung zu verlieren.

Und auch bei der eigentlichen Suche nach deiner Scheibe solltest du organisiert vorgehen:

Anstelle Zick-Zack-Linien durchs Gebüsch zu ziehen, kannst du den Suchbereich mit geraden und parallel verlaufenden Linien systematisch abgrasen. Sei gründlich dabei! Oftmals „überfliegen“ wir beim Suchen einfach einige Bereiche (was nicht immer unbedingt von Nachteil ist) und fragen uns dann später, ob wir die Scheibe eventuell doch übersehen haben?

Fazit

Eine Scheibe zu verlieren, ist immer alles andere als motivierend. Denn entweder ist sie brandneu und du ärgerst dich über den materiellen Verlust, oder es handelt sich um eine Disc mit der du dich über viele Jahre hinweg mit hunderten von Würfen eingespielt hast. Dann verlierst du mehr als nur ein „rundes Stück Plastik“. Du verlierst etwas, was dir sehr am Herzen liegt.

Der Strafwurf und die drei Minuten Frist sind hart und erbarmungslos – aber durchaus angemessen! Schließlich sollen Spielfluss und Spaß nicht durch lang anhaltende Spielunterbrechungen getrübt werden.

Die richtige Einschätzung der Risikolage sowie ein gezieltes taktisches Vorgehen stellen die beste Herangehensweise dar, um einen Scheibenverlust aktiv zu verhindern. Aber du weißt ja selber, wie es sich es sich mit Theorie und Praxis verhält. Wahrscheinlich muss man erst einmal ein paar Scheiben verwerfen, Strafwürfe kassieren und sich mehrere Stunden lang in stacheligen Dornenhölzern herumtreiben, bis man für die Gefahr sensibilisiert ist. 😉


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