Spielmacher: Out-of-Bounds!

Als ambitionierte Golfer durchlaufen wir Höhen und Tiefen. Und wenn „des Disc Golfers Gesicht“ wieder einmal „sorgenverzerrt“ ist, dann ist meistens Out-of-Bounds (OB) im Spiel. OB entscheidet Wettkämpfe! Das alleine ist schon Grund genug, um diesen wichtigen „Spielmacher“ einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ist OB?

Bei OB handelt es sich um „Sperrbezirke“ eines Parcours. Der Klassiker sind Wasserflächen wie Seen, Flüsse und Bäche (Water OB). Aber auch Sandbunker auf Golfplätzen, Straßen, Wege oder jede beliebige Fläche – wie zum Beispiel mit Fähnchen abgesteckte Bereiche einer Rasenfläche – können vom Turnierdirektor als OB deklariert werden.

Warum du Würfe ins OB vermeiden solltest

Out-of-Bounds ist in etwa mit einem Elfer beim Fußball zu vergleichen. Nur mit dem Unterschied, dass bei OB das Tor vollkommen leer steht und der Ball garantiert reingeht. 😉 Im Klartext heißt das:

  • Wenn deine Scheibe im OB liegen bleibt, bekommst du einen Strafwurf!
  • Das Weiterspielen deiner Scheibe direkt aus dem OB heraus ist unzulässig!

Wenn dir das in einer Runde gleich mehrfach passiert, dann musst du ebenso viele Birdies verwandeln, um noch PAR zu spielen. Schwierig!

Im Zweifel für den Angeklagten!

Gerade die Frage, ob eine Scheibe „in“ oder „out“ ist, kann während eines Turnieres manchmal zu „intensiveren“ Diskussionen führen. 😉 Denn im Gegensatz zu den klaren Abgrenzungen, wie wir sie bei Hallensportarten wie Handball oder Basketball vorfinden, sind die OB-Grenzen in freier Natur manchmal alles andere als „eindeutig“. Die PDGA regelt das Ganze daher folgendermaßen:

  • Deine Scheibe gilt nur dann als Out-of-Bounds, wenn sie „eindeutig“ und „vollständig“ vom „Aus“ umschlossen ist!

  • Diese Scheibe ist „eindeutig“ und „vollständig“ vom „Aus“ umschlossen und somit ganz klar Out-of-Bounds.

  • Der Scheibenrand dieser Disc „kratzt“ gerade noch die OB-Grenzlinie. Da diese selbst mit zum „Aus“ gehört, ist die Disc laut PDGA Regelwerk OB. Gerade Situationen wie diese sind in der Praxis problematisch und können bei Fehlen der „Eindeutigkeit“ als „in“ gewertet werden.

  • Ebenfalls problematisch in der Wertung, aber etwas „eindeutiger“ ist diese Situation: Der Scheibenrand „kratzt“ die Spielfläche. Die Scheibe ist somit In-Bounds, da sie nicht „vollständig“ vom „Aus“ umschlossen ist.

  • Diese Scheibe ist ohne jeden Zweifel In-Bounds. 😉

Wichtig: „Wenn deine Scheibe in Nähe der OB Grenzlinie zur Ruhe kommt, solltest du sie zunächst nicht markieren oder berühren. Falls du deine Scheibe bewegst, bevor eindeutig festgestellt wurde, ob sie in/out ist, so gilt sie als OB!“

Von welcher Position wird weitergespielt?

Wie es nach OB weitergeht, sorgt immer wieder für Fragezeichen in den Gesichtern. Dabei ist die Sache bei näherer Betrachtung gar nicht so kompliziert. Das Schöne ist, dass du immer mindestens zwei, manchmal sogar drei unterschiedliche Möglichkeiten (A|B|C) zur Auswahl hast:

  • Du kannst von deiner vorherigen Abwurfposition (Lage) weiterspielen. Dabei kann es sich auch um die Teeing Area handeln.

Diese Option wird in der Praxis jedoch eher selten gewählt. Denn zum einen erhöhst du die Distanz zum Korb und zum anderen bleibt das „gewisse“ Risiko, dass du deinen Fehler wiederholst.

Tipp: „Würfe von der vorherigen Lage machen vor allem dann Sinn, wenn (a) keine Drop Zone vorhanden ist und (b) deine Situation aus der OB Lage so unglücklich ist (zum Beispiel durch Hindernisse), dass ein weiterer „Befreiungswurf“ erforderlich wäre.“

  • In den meisten Fällen wird von der Lage aus weitergespielt, auf der deine Scheibe die OB Grenzlinie zum letzten Mal überschritten hat +1 Meter „Erleichterung“.

Und jetzt heißt es aufgepasst! Es ist völlig unerheblich, an welcher Stelle deine Scheibe im OB zur Ruhe kommt. Ausschlaggebend ist einzig und allein die letzte Überschreitung. Das kann so richtig wehtun. 😉

Beispiel 1: Diese Disc geht früh OB. Der Weiteverlust ist enorm.

Stell dir vor, deine Scheibe fliegt bereits nach 15 Metern ins OB und dann noch weitere 60 Meter zielstrebig in Richtung Korb, ohne wieder „in“ zu gehen. Diesen „eigentlich guten“ Wurf zu verlieren, kann dich neben dem eigentlichen Strafwurf noch einmal zusätzlich auf die Probe stellen.

Beispiel 2: Diese Disc geht ebenfalls früh OB. Da sie die Grenze jedoch 3x schneidet, ist der Weiteverlust gering.

Jedoch kann die Festlegung auf die „letzte Grenzüberschreitung“ auch Vorteile für dich bringen. Geht deine Scheibe OB > in > OB, so ist der Weiteverlust im Gegensatz zu Beispiel 1 deutlich verträglicher.

Da es sich bei OB oftmals auch um tatsächlich „unspielbare“ Flächen handelt, ist davon auszugehen, dass auch die direkt an der OB-Grenzlinie verlaufenden Flächen unspielbar sind. Sei es zum Beispiel durch Schilf an einem Gewässer oder Zäune, die als Grenzmarkierung dienen.

Daher kannst du „Erleichterung“ (relief) nehmen und deine neue Lage bis zu 1 Meter entfernt von der OB Grenzlinie verlagern, auch wenn die neue Lage dich näher zum Auffangkorb bringt!

Die 1 Meter relief Linie wird stets senkrecht zur OB Grenze gezogen. Die Position des Korbes ist dabei vollkommen unerheblich. Du kannst deine neue Lage auf einer beliebigen Position der 1m Linie mit einem Mini-Marker setzen.

Tipp: „Die 1 Meter Erleichterungsregel gilt übrigens auch für Scheiben die zwar „in“ sind, jedoch näher als ein Meter entfernt vom OB zur Ruhe kommen. “

  • Optional: Du wirfst von einer „Drop Zone“ (DZ). Dabei handelt es sich um eine vom Turnierdirektor festgelegte Fläche.

DZ sind super! 😉 Nicht selten sind sie so platziert, dass du freie Sicht auf das Ziel hast und die eigentliche OB Gefahrenquelle weitestgehend neutralisiert ist. Allerdings kann der Gang auf die DZ manchmal auch ein wenig „Stolz“ kosten. Denn während deine Buddys das OB gemeistert haben, darfst du jetzt vom „Loser Tee“ werfen… 😉

Link: Den offiziellen Regeltext findest du im PDGA Disc Golf Regelwerk im Punkt „806.02 Out-of-Bounds | Abschnitt A – H“.

Hier kommen die 10 besten OB Tipps

Einen, oder am besten gleich mehrere Würfe ins OB zu setzen, hat unschöne Auswirkungen auf deine Score – und unter Umständen sogar auf deinen Scheibenbestand. 😉 Diese Tipps helfen dir dabei, Würfe ins Out-of-Bounds aktiv zu vermeiden:

  • Sei achtsam: Erst einmal auf der „Überholspur“ angekommen, überschätzen wir blindlings Gefahren und gehen unnötig „vermeidbare“ Risiken ein. Höre auf deinen Verstand und ignoriere die Stimme in deinem Kopf die dir sagt: „Junge, geh ran! Das wird schon irgendwie gutgehen!“ Denn das tut es nicht – zumindest meistens nicht. 😉

  • Mach dich mit dem OB-Verlauf vertraut: Es ist äußerst vorteilhaft, wenn du den Parcours schon einmal gespielt hast. Falls nicht, musst du dich auf die Anzeige des Parcours Schildes und die Angaben deiner Mitspieler verlassen.

  • Play smart: Suche dir eine geeignete Route, die dir einen bestmöglichen Abstand zum OB bringt. Bei Würfen direkt in Richtung OB kann es sich für dich lohnen, im Drive bewusst auf 10 – 20 Meter zu verzichten. Anschließend hast du meistens eine viel bessere Ausgangsposition und Wurfperspektive, um mit einem entspannten Upshot das OB sicher zu meistern.

  • Scheibenwahl: Discs mit viel Glide sind heißbegehrt! Wenn du allerdings direkt in Richtung OB spielst – womöglich auf eine Wasserfläche zu – dann solltest du dich vielleicht lieber für eine Scheibe mit „kleinen Flügeln“ entscheiden. Diese liefert dir zwar weniger Distanz, schützt sie dich dafür aber vor dem Überwerfen des Ziels.

  • Vermeide Roller-Shots: „Rollers“ gehören zu den „Ground Shots“ und erfreuen sich gerade unter erfahrenen Golfern einer hohen Beliebtheit. Jedoch sind und bleiben sie – insbesondere im Zusammenspiel mit OB – ein zum Teil völlig unberechenbarer Risikofaktor. Deine Entscheidung… 😉

  • Skips und Slides: Je nach Speed des Fairways – insbesondere des Greens – springt und/oder rutscht deine Scheibe nach ihrem Aufkommen (Impact) noch viele Meter weiter. Check vor deinem Wurf den Untergrund und sei „großzügig“ in der Einschätzung der Strecke zwischen Impact- und Ruheposition.

  • Halte deine Scheibe flach: Dadurch verhinderst du zum einen eine unbeabsichtigte rechts/ links Abweichung durch einen geringen „Low-Speed-Fade“. Zum anderen verkürzt du die Glide-Phase und damit ungewollte Zielüberwürfe.

  • Spyke-Hyzer: In lockeren Untergründen, wie zum Beispiel Rasenflächen oder Waldböden, kannst du Abweichungen vollständig vermeiden, indem du einen Driver mit breitem Rim auf entsprechende Flughöhe bringst und ihn dann mit dem Scheibenrand voran in den Boden einschlagen lässt.

  • Death Putts: Einen Korb zu putten, der direkt am Wasser steht, oder auf einem Hügel umringt von OB-Sandbunkern ist immer eine heikle Angelegenheit! Mit „hoch reinfallenden“ Straddle Putts kannst du bei einer Korbverfehlung In-Bounds bleiben.

  • Stay cool: Würfe ins OB sind ein fester Bestandteil der Show. Verfalle nicht in Panik und versuche mit „halsbrecherischen Aktionen“, das „PAR-Safe“ doch noch irgendwie rauszuholen. Meistens ist ein Bogey so gut wie vorprogrammiert. Lebe damit. Nicht selten ertappen sich selbst professionelle Spieler dabei, wie aus einer sicheren „vier“ auf einmal eine spielentscheidende „fünf“ wird.

Best Practice

Out-of-Bounds ist eine nette Bereicherung des Disc Golf Sports. Sie ermöglicht es, erfahrenen Kursdesignern und Direktoren „langweilige“ Standardbahnen in fordernde „Mienenfelder“ zu verwandeln. Das sorgt nicht nur für Spannung und Spielspaß, sondern macht unseren Sport zudem noch unterhaltsamer für Zuschauer.

Out-of-Bounds entscheidet Spiele! Es bietet dir die Möglichkeit, durch Fehler anderer sehr hohe Punkterückstände „wett zu machen“. Anders herum kann dir die OB-Falle aber auch in Windeseile zum Verhängnis werden.

In jedem Fall brauchst du zur Meisterung eines anspruchsvollen OB-Parcours eine solide Wurftechnik, strategische Finesse sowie die Fähigkeit, dich an deine eigene Strategie zu halten. Und gerade letzteres erweist sich leichter gesagt als getan. Schließlich ist Vernunft eine Sache – das Streben nach „Heldentaten“, eine vollkommen andere… 😉


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