Spieltaktik: Angreifen oder Parken?

Letztendlich sind es vor allem Dinge wie spielerisches Können, Erfahrung sowie das entscheidende Quäntchen Glück, welche über Sieg und Niederlage in einer spannenden Disc Golf Battle entscheiden. Aber neben diesen – zum Teil langjährig antrainierten – Fähigkeiten kannst du auch mit der richtigen Spieltaktik eine Menge wertvoller Würfe einsparen.

Besonders entscheidend ist dabei immer die Frage: „Lohnt es sich für dich den Korb direkt anzugreifen, oder solltest du deine Disc doch lieber auf eine für dich vorteilhafte Position vorlegen – also Parken?“ Liegt der Korb für dich innerhalb deiner Wurfreichweite, so begleitet dich diese Entscheidung in allen Spielphasen.

Angriff ist nicht gleich Angriff

Grundsätzlich unterscheiden wir drei verschiedene Arten von Angriffen:

  • Drive Attack: Alles klar Keule, du stehst auf dem Tee, der Korb ist in Reichweite und du entscheidest dich dafür ihn gleich mit deinem ersten Wurf klarzumachen. Schließlich willst du nur eins: Den ermutigenden Klang des „Catchings“ vernehmen und dir mit einem breiten Grinsen ein fettes Ace in deine Score-Card notieren. 😉
  • Approach Attack: OK, dein Drive liegt bereits hinter dir und jetzt geht es um die Annäherung zum Korb. Aber „papperlapapp“ – warum bitteschön einen Upshot machen, wenn man die Wurfscheibe auch direkt im Korb versenken kann?
  • Putt Attack: Hervorragend, du bist jetzt ganz nah am Ziel. Der Korb steht zwar wieder einmal auf einem dieser Hügel, aber das interessiert dich nicht die Bohne. Auch bist du vielleicht kein Gott im Putten, aber egal – was soll aus lächerlichen 10 – 20 Metern Entfernung schon großartig schiefgehen können? Eben – also gleich rauf da.

Du siehst, sich gegen einen Angriff zu entscheiden ist besonders für die männlichen Disc Golf Kollegen unter uns leichter gesagt als getan. Schließlich besteht das halbe Leben ja schon aus „langweiligen“ Vernunftsentscheidungen. Höchste Zeit also, wenigstens auf dem Parcours mal so richtig „Vollgas zu geben“ und die Sache entschlossen in die Hand zu nehmen.

Tja, dann wäre jetzt ja wohl schon alles geklärt? Wäre da nur nicht das lästige Problem mit den fatalen Folgen jener missglückten Hochrisikoangriffe, die einen ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückführen. 😉

Darum sind Angriffe so riskant

Egal, ob Drive, Approach oder Putt Attack, den Korb direkt anzugreifen ist von Haus aus immer sehr viel riskanter, als sich die Scheibe vorzulegen. Warum? Ganz einfach: Beim Parken spielst du ein Bodenziel an. Dadurch bringen ungewollte Abweichungen von deiner geplanten Flugbahn meistens keine so gravierenden negativen Folgen mit sich. Bei vorgelegten Würfen wird meistens ein „sicheres“ Par angestrebt.

Bei einem direkten Angriff auf Kettenhöhe hingegen greifst du ein Luftziel an. Wenn du das verfehlst wird die Abweichung deiner Disc sehr viel gravierender ausfallen, als bei dem gleichen Wurf auf ein Bodenziel. Besonders riskant sind gerade gespielte Direktangriffe mit skipfreundlichen Hochgeschwindigkeitsscheiben auf große Distanzen auf schnellen Fairways. Hier heißt es dann wirklich: „Alles oder nichts!“.

Insidertipp: „Besonders riskante Angriffe werden im Disc Golf Fachjargon als „high risk – high reward shots“ bezeichnet. Legst du die Scheibe mit einem sicheren Wurf vor sprechen wir von „low risk – low reward shots“. Eine Kombination aus beiden sind „low risk – high reward shots“. Letzteres sind Würfe, bei denen du zum Beispiel einen 80 Meter Drive mit einem Putter spielst, den Korb direkt angreifst, dabei jedoch durch die Vorzüge der gewählten Scheibenart und Flugbahn das Risiko auf ein Minimum reduzierst.“

Diese Gründe sprechen gegen einen direkten Angriff

Das Risiko eines direkten Angriffes ist immer erheblich größer, als sich die Scheibe vorzulegen. Und neben den eingangs beschriebenen Unterschieden hinsichtlich der Luft- und Bodenziele gibt es noch zahlreiche weitere Risikofaktoren, die du mit auf Rechnung haben solltest. Je mehr von den nachfolgenden Punkten erfüllt sind, desto höher ist das Risiko eines Frontalangriffs.

  • Out of Range Attack: In diesem Fall liegt der Korb außerhalb deiner maximalen Wurfreichweite. Das Schöne an dieser Situation? Wenn es nicht gerade steil bergab geht, brauchst du dir über einen direkten Angriff keinerlei Gedanken machen. Das wäre vollkommen sinnlos. Konzentriere dich am besten darauf, ordentlich Weite zu machen ohne dabei zu viel Präzision aufs Spiel zu setzen.
  • Max-D Attack: Der Korb liegt gerade noch innerhalb deiner Range. Allerdings musst du schon „120 Prozent“ geben, um die Distanz zu überwinden. Stell dir am besten folgende Frage: „Wenn du 100 anstelle des einen Versuches hättest, wie viele Scheiben würdest du auf diese große Distanz wohl direkt einlochen?“ Eben, wahrscheinlich (k)eine!
  • Breite des Fairways: Auf offenen Bahnen ohne Bäume und andere natürliche „Scheibenfänger“ spricht wenig dagegen, Vollgas zu geben. Im dichten Wald hingegen mit seiner Vielfalt an „Flugbremsern“ solltest du dir besser ganz genau überlegen, was dir wichtiger ist. Eine kritische Schneise meistern und mit drei sicheren Würfen zum Par? Oder doch lieber alles auf eine Karte setzen und dafür mit einem verzweifelten „Befreiungswurf“ aus dem Unterholz weiterspielen?
  • Mandatories: Pflichthindernisse sind das Salz in der Suppe. Zugleich sind sie aber auch nicht selten so platziert, dass man jede Menge Geschicklichkeit braucht, um sie zu meistern. Verfehlst du ein Mandatory, bringt das einen Strafwurf mit sich. Ist deine direkte Trefferchance so groß, dass es das Risiko für dich wert ist?
  • Out of Bounds: Um OB Bereiche wie Wasser, Bunker und andere mit kleinen Fähnchen abgegrenzte Bereiche solltest du wenn möglich einen großen Bogen machen. Denn eine Platzierung deiner Scheibe im OB beschert dir nicht nur einen Strafwurf, sondern im ungünstigsten Fall sogar den Verlust einer geliebten Scheibe. Steht der Korb in unmittelbarer Nähe zum OB, dann solltest du dir die Entscheidung eines direkten Angriffs aus der Ferne lieber zweimal überlegen.
  • Höhenunterschiede: Disc Golf Anlagen in hügeligen oder bergigen Regionen sind ein wahrer Golfer Traum. Und gerade fette Downhill Drives laden förmlich dazu ein, immer wieder direkte Angriffe zu riskieren. Allerdings bieten Bergabwürfe nicht nur ein ungeheures Weitepotenzial. Sie verleiten dich auch dazu, dich ungeheuer zu verschätzen. Macht aber nix – einen Korb auf Kettenhöhe zu attackieren, um ihn dann 50 Meter zu überwerfen ist schließlich auch mal keine schlechte Erfahrung. 😉
  • Wetterlage: Besonders Wind, aber auch Regen, Schnee und Kälte können dein Spiel erheblich erschweren. So kann sich eine – bereits unter Idealbedingungen – schwierige Par 3 Bahn bei schlechten Wetterbedingungen in ein bedrohliches „Super-Monster“ verwandeln. (K)ein guter Grund den Schwierigkeitsgrad durch einen „Ace Versuch“ noch weiter zu erhöhen?
  • Geschwindigkeit des Fairways: Es gibt langsame Bahnen, bei denen du dir um das Landeverhalten deiner Discs wenig Gedanken machen musst. Höhere Gräser und weiche Böden „verschlucken“ deine Scheibe förmlich und hindern sie am Skippen und Rutschen. Dann gibt es aber noch jene „Turbo-Fairways“ mit ihren schnellen Greens, auf denen deine Scheibe nach ihrem Aufkommen völlig „verrücktspielt“ und erst nach vielen, vielen Metern zur Ruhe kommt. Daher gilt: Je schneller der Fairway, desto größer das Risiko.

Ausnahme Wettkampf: „Deine Entscheidung, wie viel Risikofreudigkeit du an den Tag legen solltest hängt nicht immer nur ausschließlich von den zuvor genannten Risikofaktoren ab. Wenn du in einem Turnier im letzten Drittel ein paar Würfe hinter deinen Kontrahenten hinterher hinkst und du allein durch spielerische Überlegenheit keinen Boden mehr gut machen kannst ist das „Spiel auf volles Risiko“ oftmals sinnvoller, als nur „passiv“ auf Safety zu gehen und auf den entscheidenden Fehler deiner Widersacher zu warten.“

Best Practice

Die Wissenschaftler unter euch wissen wahrscheinlich, dass Disc Golf auch als „Schach auf dem Rasen“ bezeichnet wird. Und je länger und intensiver du dich mit dem Sport beschäftigst, desto mehr Faktoren fließen automatisch in deine Risikoanalyse mit ein.

Den Fairway richtig zu lesen, ist eine schwierige Kunst für sich. Im Laufe der Zeit wirst du mehr und mehr Wurfoptionen erkennen und lernen, die Chancen und Risiken jeder einzelnen Option gegeneinander abzuwägen.

Die Frage: „Was passiert wenn… ?“ begleitet dich dabei während jedes Schrittes deines Spiels. Wie weit wird deine Scheibe skippen, wenn der Rasen 4, 8 oder 12 cm lang ist? Was passiert, wenn du genau diesen Baum an der rechten Seite streifst? Und wie hoch ist die Gefahr eines „ungewollten“ Rollers, wenn du mit einem steilen Anny auf den Auffangkorb direkt an einem Gefälle losgehst?

Diese Prozedur des ständigen Abwägens von Möglichkeiten, Chancen, Risiken und Belohnungen stellt die Grundlage deiner Disc Golf Spieltaktik dar. Was bleibt und uns alle miteinander vereint ist der Wunsch, jede Bahn mit möglichst wenigen Würfen abzuschließen. Du alleine entscheidest über den Schwierigkeitsgrad deines Spiels!


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