Finde die perfekte Line!

Beim Disc Golf bist du dein eigener Boss. Du alleine entscheidest über Scheibe, Wurftechnik und deine Line. Und gerade die Auswahl der richtigen Line ist für eine gelungene Spieltaktik von entscheidender Bedeutung. Denn mit deiner Line bestimmst du nicht nur die „Gefahr“ eines Wurfes, sondern auch die damit verbundene Wahrscheinlichkeit auf Erfolg.

Arten von Gefahren

Die Liste an Dingen, die während eines Spiels schiefgehen können, ist lang. Wir nennen sie „Gefahren“. Eine Sache haben alle Gefahren gemeinsam: „Sie haben – mal mehr, mal weniger stark ausgeprägte – negative Auswirkungen auf dein Spiel.“ So ist der negative Einfluss einer von Zweigen abgebremsten Scheibe sicherlich nicht annähernd so gravierend, wie der Verlust einer Scheibe im Water OB. Es gibt drei Arten von Gefahren:

  • Gefahren, die deine Scheibe im Flug stoppen, ablenken oder bremsen können: (Baumstämme, Äste, Zweige, Blätter, Pfeiler, Zäune, Gebäude, …)

  • Gefahren, die dich daran hindern, deinen Wurf wie geplant auszuführen: (Armschwung durch Hindernisse gestört, unebener Stand, rutschiger Untergrund, herausragende Wurzeln, kein Anlauf möglich, …)

  • Gefahren (außer Regelverstöße), die einen Strafwurf zur Folge haben: (Verfehlung Mandatory, Platzierung Scheibe im Out of Bounds, …)

Spieltaktik: „Mit der Auswahl deiner Flugroute entscheidest du maßgeblich darüber, welche unmittelbaren Gefahren deine Line betreffen. Wenn du deine Line beispielsweise über die rechte Seite des Fairways legst, werden die Hindernisse auf der linken Seite zunächst eine geringere Gefahr darstellen und umgekehrt.“

Die Gesetzte der Gefahr

Es gibt unterschiedliche Arten von Gefahren. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine von ihnen eintritt, hängt zum einen von der Intensität der Gefahr ab und zum anderen natürlich auch von deinen spielerischen Fähigkeiten. Schauen wir uns das am besten gleich einmal etwas genauer an.

Je enger deine Line an einem Hindernis vorbeiführt, desto größer ist die Gefahr.

  • Abstand zum Hindernis: Je enger deine Line an einem Hindernis vorbeiführt, desto größer ist die Gefahr.

Spieltaktik: „Versuche stets die Flugschneise zu finden, welche dir den größten Abstand zu allen Hindernissen ermöglicht. Spiele offene Fenster immer so mittig wie möglich an. Prüfe, ob du deine Line vielleicht sogar über die Hindernisse hinweglegen kannst.“

Je weiter ein Hindernis von deiner Abwurfposition entfernt ist, desto größer ist die Gefahr.

  • Entfernung zum Hindernis: Je weiter ein Hindernis von deiner Abwurfposition entfernt ist, desto größer ist die Gefahr.

Spieltaktik: „Versuche – wenn möglich – eine Line zu wählen, bei der so wenig weit entfernte Hindernisse wie möglich vorhanden sind. Falls das nicht möglich ist, überlege dir was passiert, wenn du eines dieser Hindernisse triffst. Vielleicht ist es vorteilhafter für dich, dir deine Scheibe vor einem weit entfernten Hindernis einfach vorzulegen“.

Je mehr unmittelbare Hindernisse an deiner Line liegen, desto größer ist die Gefahr.

  • Anzahl an Hindernissen: Je mehr unmittelbare Hindernisse an deiner Line liegen, desto größer ist die Gefahr.

Spieltaktik: „Eine große Anzahl an Hindernissen kommt vor allem im Wald vor. Wenn links und rechts des Fairways eine hohe Baumdichte besteht, solltest du dir genau überlegen, wieviel Risikofreudigkeit du an den Tag legst. Manchmal ist es besser, lieber auf nun mal sicher zu gehen, als sich mit verzweifelten Befreiungswürfen aus der Baumhölle herauszuarbeiten.“

Je größer (breiter, länger, höher) ein Hindernis ist, desto größer ist die Gefahr.

  • Größe des Hindernisses: Je größer (breiter, länger, höher) ein Hindernis ist, desto größer ist die Gefahr.

Spieltaktik: „Ein dünner Baum ist leichter umspielt als eine meterdicke Eiche. Auch hier gilt: Je kleiner das Fenster, desto bedachter sollte dein Drive erfolgen.“

Je dichter du ans Out of Bounds heranspielst, desto größer ist die Gefahr.

  • Nähe zum OB: Je dichter du ans Out of Bounds heranspielst, desto größer ist die Gefahr.

Spieltaktik: „Nach einem Scheibenverlust ist ein Wurf ins OB so ziemlich das Schlimmste, was dir passieren kann. Daher solltest du – wenn möglich – immer die Flugroute wählen, die dir den größten Abstand zum OB ermöglicht. Bedenke dabei auch mögliche Abpraller von Bäumen. Den weiteren Flugverlauf eines Abprallers kannst du im Vorwege steuern, indem du dich dafür entscheidest, deine Line entweder links oder rechts an einem Hindernis vorbeizuführen.“

Risikobewertung von Lines

Deine Routenplanung beginnt spätestens auf dem Tee. Meistens genügt dabei ein kurzer Blick auf den Fairway und du erkennst sofort die „offenen Fenster“ zum Ziel. Als nächstes beginnst du damit, dir deine unterschiedlichen Lines zu legen. Dann kommt der Moment, in dem du dich für eine von ihnen entscheiden musst.

Welche Gefahren bestehen auf einer bestimmten Line? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eintreten? Welche Belohnungen – beispielsweise Birdie Optionen – können erzielt werden? Ganz automatisch und vollkommen intuitiv berechnest du in Sekundenschnelle eine große Anzahl verschiedener Faktoren zu einer „Line Gesamtbewertung“. Diese kann wie folgt aussehen:

  • Sichere Line: Das Wurffenster ist breit und es gibt kaum Hindernisse. Die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg bewertest du mit mindestens 85 Prozent.

  • Machbare Line: Links und rechts deiner Flugroute befinden sich Hindernisse. Das Fenster ist recht anständig und du bewertest deine Erfolgswahrscheinlichkeit mit über 65 Prozent.

  • Riskante Line: Es gibt nicht nur eine große Anzahl an Gefahren, sondern diese liegen auch noch nah an deiner Line. Das ist zum Beispiel auf dichten Wald Fairways häufig der Fall. Dementsprechend gering bewertest du deine Chance mit 35 Prozent oder weniger.

Spieltaktik: „Achte bei deiner nächsten Disc Golf Runde ruhig einmal darauf, durch welche Dinge du die meisten Würfe verschenkst und wie häufig du dich bei deiner Risikobewertung verschätzt.“

Das Gesamtrisiko einer Line berechnen

Das Gesamtrisiko einer Line berechnenOK – zugegeben, wahrscheinlich wirst du nicht mit Taschenrechner ausgestattet im Wald die Erfolgsaussicht deiner Würfe ausrechnen wollen. Macht aber nichts, ein bisschen Wissenschaft hat ja schließlich noch niemanden geschadet… 😉

Das Beispiel zeigt eine Flugroute mit mehreren Hindernissen und einem OB Sandbunker. Die Wahrscheinlichkeit, die Hindernisse erfolgreich zu passieren, schätzt der Spieler wie folgt ein:

  • Hindernis 1: 85%
  • Hindernis 2: 65%
  • Hindernis 3: 35%

Für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit müssen lediglich die einzelnen Werte miteinander multipliziert werden:

85% x 65% x 35% = 19%

Schnell wird klar, dass die Erfolgschance eines direkten Angriffes auf dieser Bahn eher gering ausfällt.

Über Vernunft, Intuition und Risikofreudigkeit

Wir kennen sie alle – diese super langweiligen „Play Safe“ Wettkampf-Videos, in denen ein sicherer Hyzer nach dem anderen vor dem Ziel geparkt wird. Baumschneisen werden einfach überworfen, anstelle sich ihnen direkt zu stellen und riskante Direktangriffe werden um jeden Preis gemieden.

So „unspektakulär“ das auf uns „actionbegierige“ Zuschauer auch wirken mag – aus spieltaktischer Sicht ist „gezielte Zurückhaltung“ ein sehr wirksames Mittel für eine niedrige Score.

Die Entscheidung, ob wir nun Line A, B oder C spielen, treffen wir automatisch, vollkommen intuitiv und meistens innerhalb weniger Sekunden. Um nicht den Überblick zwischen den unzähligen Einflussfaktoren zu verlieren, bilden wir Gesamtbewertungen für jede mögliche Line. Die Rechenleistung, die unser Gehirn während dieser kurzen Zeitspanne ermöglicht, ist wahrlich beeindruckend.

Dennoch kann es manchmal vorkommen, dass wir trotz aller Überlegungen, aller Abwägungen von Gefahren und Belohnungen bei der Line mit der größten Wahrscheinlichkeit auf Erfolg einfach ein „schlechtes Gefühl“ haben. In diesem Fall ist es häufig sinnvoller, sich schlichtweg gegen Vernunft und Logik zu entscheiden und lieber auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen.

Letztendlich ist es die richtige Dynamik zwischen Risikobereitschaft, Angriffslust und gezielter Zurückhaltung, welche den Schlüssel zu einer insgesamt niedrigeren Score ausmacht.


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